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Gedankenfutter 4/2023: Der unbequeme Blick in den Spiegel: Narzissmus und Schattenarbeit. Eine persönliche Sicht auf Nachttanz-Themen.

 

Wer jemals mit einem malignen Narzissten zu tun hatte, weiß, dass man seinem schlimmsten Feind ein derart apokalyptisches Erlebnis nicht zumuten würde.

 

Und dennoch: Kann ein Seelenvampir das eigene Leben (nachdem man ein Zusammentreffen mit ihm oder ihr überstanden hat) bereichern?

 

Rückblickend betrachtet, hat mich „mein“ Narzisst in meiner Persönlichkeitsentwicklung ein großes Stück vorangebracht.

 

Die nicht-existente Ich-Stärke meines jüngeren Selbst und die Faszination, sich in der Strahlkraft eines charismatischen Mannes verlieren zu können, hatten damals ganz erheblich dazu beigetragen, dass ich einem Narzissten überhaupt ins Netz gehen konnte.

 

Mein jüngeres Selbst fühlte sich über alle Maßen geschmeichelt, dass ein so attraktiver, (vermeintlich) mit beiden Beinen im Leben stehender und gebildeter Blender Interesse an mir bekundet hatte.

 

Doch nach dem anfänglichen „Love-Bombing“ wurde schnell klar: ICH war NIE gut genug! Weder äußerlich noch innerlich. Die Fehler lagen immer bei mir, vollkommen gleichgültig, was es zu bemängeln gab.

 

WAS FÜR EIN HAUFEN KUHSCHEISSE!!

 

Und gleichzeitig: Welch ein brillantes Illusionstheater ich mir da kreiert hatte!

 

Es kostete mich fast ein Jahrzehnt, um zu erkennen, dass die Persona, die ich angenommen, die Tarnkappe, die ich mir selbst übergestülpt hatte (d.h. nicht gut genug, nicht wertvoll zu sein…) nur eine Rolle, wie in einem Bühnenstück, war.

 

Die Wahrheit lag viel tiefer!

 

Auf einer anderen Ebene ist JEDE Seele, JEDER Mensch grundsätzlich wertvoll und perfekt. Selbst „mein“ Narzisst. Aber in meine damalige Opferrolle war ich so verliebt, so tief in ihr versunken, dass ich eine alternative Realität lange nicht erkennen konnte (und wollte ... ich hätte jedem, der mich zu Zeiten meines größten Schmerzes mit einer solchen „Tatsache“ konfrontiert hätte, mit dem Nudelholz eins übergezogen. ;D )

 

Im Grunde genommen jedoch hat mir „mein“ Narzisst nur den Spiegel vorgehalten und mir meine ― damals noch unbewussten ― Wunden reflektiert. Sein Verhalten hat mir die Möglichkeit gegeben, nach innen zu schauen, tief in meinen persönlichen Abgrund hinabzuklettern und mich dort meinen düstersten Anteilen zu stellen... z.B. der Scham darüber, selbst eine meisterhafte Manipulatorin zu sein (wenn mich mein Gewissen und mein Moralkodex nicht zurückpfeifen und mir - mit gutem Recht! – kategorisch verwehren würden, meinen dunkleren Impulsen zu folgen).

 

Die perfide Lust an der Macht ... noch so ein Gefühl, das ich mir niemals, NIEMALS erlauben würde und das deshalb tief in den Schatten gedrängt werden musste.

 

Ich verurteile Machtmissbrauch und die riesigen Machtgefälle auf dieser Welt zutiefst.

 

Ich gehe in (negative) Resonanz mit der dunklen Seite des Themas Macht. Es ist und bleibt für mich KEINE neutrale Thematik, denn wenn sie dies wäre, wäre sie geheilt.

 

Aber ich gehe auch in (positive) Resonanz mit der Macht. Nämlich dann, wenn es um (besonnene und klare) Führung, (innere) Stärke und (gradlinige) Durchsetzungsfähigkeit geht.

 

Inzwischen habe ich Frieden mit all jenen Anteilen in mir geschlossen, die auf „Macht und Manipulation“ in ihren unterschiedlichen Facetten zu unterschiedlichen Zeiten anspringen. Seitdem begegnet mir die Thematik im Außen nur noch selten.

 

Du magst mich jetzt verurteilen und das ist okay für mich.

 

Doch all das, was wir bekämpfen und an uns selbst nicht akzeptieren können, drängen wir in die Schattenwelten ab. Nicht selten werden wir durch diesen Mechanismus später sogar zu dem, was wir ursprünglich bekämpfen wollten.

 

Ich kann einen Waffenstillstand erzwingen, ja, aber in Frieden lebe ich (mit meinen Schattenanteilen) deshalb noch lange nicht. Kampf ist nicht gleichzusetzen mit Akzeptanz - der viel beschworene „Kampf für den Frieden“ ein Widerspruch in sich.

 

Auch ein maligner Narzisst lässt sich nicht bekämpfen.

 

Absoluter „No Contact“! Die emotionale Entgiftung, das Heilen meiner damaligen Co-Abhängigkeit, die Erkenntnis, dass ich das perfekte energetische Gegenstück zu ihm war und wir beide gleichwohl gänzlich ohne Schuld dastehen (denn auch er hat seine Geschichte!), halfen mir, Immunität gegen ihn und andere Narzissten aufzubauen, mich weiterzuentwickeln und meinen Frieden mit einer Erfahrung zu machen, die mir meine ganze Kraft abverlangt hat.

 

 

© Kory Wynykom, 2023

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